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Seite 1 von 5 Die M.A.S. fragt mich also, ob ich etwas zur Lage der Ergonomie in Österreich sagen kann. Dieser Artikel soll der Anfang einer neuen Ergonomie-Serie bei der M.A.S. sein. Und am Anfang steht gleich eine so schwierige Frage, in der es um alles und nichts geht. Warum ist die Frage nicht leicht zu beantworten? Erstens, weil die Antwort davon abhängig ist, was man unter Ergonomie versteht. Zweitens, weil die Antwort von der Person abhängig ist, der man sie stellt. Drittens, und das bezieht sich auf die ersten beiden Punkte, weil eine Antwort von den Kriterien abhängig ist, die zur Beantwortungdieser Frage herangezogen werden.  Mag. Martina Molnar
Ich habe soeben das Forum Prävention in Innsbruck besucht und dort ein paar Personen gefragt, wie sie die Lage der Ergonomie in Österreich einschätzen. Hier die Antworten in der Reihenfolge der zufällig entstandenen Interviews:
Die Lage der Ergonomie in Österreich?
Dipl.-Ing. Michael Wichtl (Ergonom, AUVA): Die Ergonomie hat sich in Österreich noch nicht richtig entwickelt im Vergleich zu anderen Ländern, wie den Niederlanden beispielsweise. Es gibt zum Beispiel kaum ein nicht-institutionelles Beratungsangebot auf diesem Gebiet. Auch die universitäre Situation ist nicht gut, denn es wäre nötig, dass sich ein Institut komplett diesem Thema widmet. Die Ergonomie hinkt dem Wirtschaftsaufschwung hinterher. Für Österreich wäre auch mehr Engagement im europäischen bzw. internationalen Kontext nötig, wie beispielsweise für die Zertifizierung von Euro-Ergonomen oder für FEES (Federation of the European Ergonomics Societies), in der auch andere kleine Länder vertreten sind.
Alexander Heider (Leiter der Abt. ArbeitnehmerInnenschutz der AK): Zwiespältig. Wo Präventivfachkräfte in Betrieben sind, wird auf menschengerechte Arbeitsgestaltung geachtet, insbesondere bei Um- und Neubauten, z.B. bei Möbeln. Ansonsten, vor allem in Klein- und Mittelbetrieben ist Ergonomie ein Fremdwort. Daher wäre es für KMUs wichtig, preisgünstige Beratung anzubieten, die über das jetzige Angebot hinausgehen muss. Vom Angebot her (z.B. Büromöbel) gibt es überwiegend ergonomisch einwandfreie Produkte, aber man muss Ergonomie umsetzen. Die Themen der menschengerechten Arbeitsgestaltung ändern sich auch, weil psychische Belastungen an Bedeutung gewinnen.
Walter Ambros (Gründer des Ergonomie Zentrum Tirol, Innsbruck): Ergonomie ist unterrepräsentiert, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Der Begriff "Ergonomie" wird oft missbräuchlich und zu allgemein verwendet. Es gibt beispielsweise eine ergonomische Gartenkralle, einen ergonomischen Kugelschreiber etc. Aber eigentlich ist damit "Benutzungsfreundlichkeit" gemeint. Meist geht es um Produkt-Ergonomie, aber nicht um die arbeitswissenschaftliche Vorstellung menschengerechter Arbeitsgestaltung. Und wenn, dann nur um den Bürodrehstuhl.
Dipl.-Ing. Georg Effenberger (Ergonom, AUVA): Es gibt sehr unterschiedliche Niveaus in den Betrieben. Die Bandbreite reicht von schlecht ausgestatteten und angeordneten Arbeitplätzen, bei denen Ergonomie eine untergeordnete Bedeutung hat und Arbeitsmittel nur als Investitionen gesehen werden, die nichts kosten dürfen, bis zu sehr gut ausgestatteten Arbeitsplätzen, wobei die Investition in die Arbeitsmittel auch als Investition in Mitarbeiter und Mitarbeiter-Zufriedenheit gesehen wird. Auch bei der Produktgestaltung gibt es eine große Bandbreite, die stark von der Produktkategorie abhängig ist. Es kann sich kein Hersteller erlauben ein Auto auf den Markt zu bringen, das schwere Ergonomie-Mängel aufweist. Im Gegenteil: So ein mangelhaftes Auto würde im nächsten Test einer Automobilzeitschrift ziemlich sicher kritisiert. Bei Arbeitsmitteln hat die Ergonomie oft nicht den Stellenwert, der in einschlägigen Regelwerken und Vorschriften (z.B. MSV) gefordert wird.
Mir fällt dazu auch noch ein Zitat von W. Ambros ein: "Ergonomie ist mehr als die artgerechte Haltung von Menschen in Arbeitsräumen."
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